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Konferenz Duale Berufsbildung in Rumänien

Eine Delegation des Deutschen Wirtschaftsclub Moldova (DWCM), der Luisa Gabrianu, Mihaela Brunhuber, Jürgen Pribylla und Ulrich Brunhuber angehörte, nahm am 13.02.2013 an der Konferenz "Duale Berufsausbildung in Rumänien
Status Quo, Herausforderungen und Maßnahmen" teil. Näheres können Sie dem folgenden Artikel entnehmen.

 

Quelle:

Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien vom 18.02.2013

„Zurück zur Berufsausbildung"
Unternehmen drängen auf Verbesserung der Rahmenbedingungen

Von: Johann Wolfschwenger

Bukarest 13.02.2013 - Nach dem großen Erfolg der Berufsschule in Kronstadt/Braşov (Şcoala Profesională Germană) und nachdem auch in Temeswar/Timişoara ein Pendantprojekt auf den Weg gebracht wurde, steht das Thema duale Berufsausbildung nach deutsch-österreichischem Vorbild nun auch in Bukarest wieder auf der Agenda. Treibende Kräfte sind das Österreichische AußenwirtschaftsCenter und natürlich die Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer (DRIHK). Sie haben vergangenen Mittwoch im Rahmen eines Workshops Politik und Unternehmen zum Meinungsaustausch geladen, denn der Druck der Wirtschaft und der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften ist seit Jahren ungebrochen.

Großer Bedarf an Fachkräften

Besonders in den technischen Berufen lechzen die Unternehmen förmlich nach Fachkräften. Wenn sogar vielbeschäftigte CEOs wie Brigitte Eble, Geschäftsführerin der Robert Bosch SRL, persönlich bis zum Schluss der Veranstaltung bleiben, um sich mit großem Engagement in die Debatte einzubringen, zeigt das den Stellenwert für die Industrie. Flankiert wird Eble von anderen Vertretern der deutsch-rumänischen Wirtschaft, die nicht mit eindringlichen Appellen in Richtung des anwesenden Bildungsministers sparen

 

Die meisten von ihnen haben genug Erfahrung in Rumänien, um zu wissen, dass ein Versprechen eines Ministers noch nicht viel bedeutet. Sie haben erlebt, wie man in den letzten Jahren kaum vom Fleck gekommen ist und wie die Regierung ständig an den Rahmenbedingungen für die Berufsausbildung herumpfuscht. Von anfangs staatlicher Kontrolle zu privater Verantwortung und seit 2011 doch wieder zum dualen System, bei dem die Auszubildenden die Praxis in den Unternehmen und die Theorie in den Berufsschulen lernen sollen.

Berufe und keine Diplome

Man müsse die Überschätzung der höherwertigen Bildungsabschlüsse abstellen, pocht der deutsche Botschafter Andreas von Mettenheim. In den Köpfen vieler Menschen hat eine Universitätsausbildung ein besseres Image als das Erlernen eines Berufes, auch wenn viele Absolventen trotz mehrerer Diplome keine Arbeit finden. Der Botschafter fordert einen Bewusstseinswandel und erhält Unterstützung von Maria Grapini, der delegierten Ministerin für KMU: „Viele Jugendliche hätten ein Diplom, aber nur wenige einen echten Beruf", sagt sie. Was die Unternehmen brauchen, bringt Brigitte Eble auf den Punkt: Es mangle an Elektrikern, Mechatronikern, Schlossern, an Leuten die moderne Maschinen bedienen können und wissen, wie eine Fabrik funktioniert.

Duale Ausbildung Minister


Bildungsminister Remus Pricopie gibt zu, dass das Bildungssystem schlecht auf den Arbeitsmarkt abgestimmt ist. Foto: Johann Wolfschwenger

Der Regierung die Bedürfnisse der Industrie klar zu machen, damit die mit den richtigen Rahmenbedingungen reagieren kann, ist Zweck der Veranstaltung. Eine duale Ausbildung funktioniert nur, wenn die Unternehmen mit den Schulen und den zuständigen staatlichen Stellen zusammenarbeiten. Doch die angereisten Experten warnen vor regionalen Alleingängen. Die Vorreiter Kronstadt/Braşov und Temeswar/Timişoara seien der Beginn, doch müsse das System auf das ganze Land mit einheitlichen und anerkannten Abschlüssen ausgedehnt werden. Ein „Flickenteppich" aus hier und da einer Berufsschule nach deutschem Vorbild und dazwischen das rumänische System mit wieder anderen Standards, bringe nichts, erklären die Experten.
Doch scheint sich was zu bewegen, denn der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften wird nur von der Ungeduld der Unternehmen übertroffen. Und die sind bereit ihren Beitrag zu leisten. Beim anwesenden Bildungsminister Remus Pricopie und Ministerin Grapini, die selbst jahrelang ein Unternehmen leitete, stehen die Türen für Vorschläge offen, versprechen sie. Doch wenn sich der Minister am Anfang seines Vortrages rühmt, seit 20 Jahren im Bildungsministerium tätig zu sein und über die Probleme Bescheid zu wissen, nur um sich am Ende mit der Bitte zu verabschieden, ihm noch etwas Zeit zur Umsetzung der Rahmenbedingungen zu geben, kann man die Schwierigkeiten bei den bevorstehenden Verhandlungen erahnen.